Ulf und Peter – ihr kennt euch nun schon ein wenig länger. Wie habt ihr euch damals kennengelernt?

Ulf: Ich war zu DDR-Zeiten bei der NVA – nicht freiwillig. Nachdem die Mauer fiel, durften viele gleich reisen. Bei mir war das leider nicht gleich möglich und ich konnte erst Anfang Februar, dem 2. um genau zu sein, zum ersten Mal nach Westdeutschland reisen. Als ich dort war, habe ich auf einer Party Peter kennengelernt.

Hatte ihr beide schon vorher Interesse an Bibi & Tina?

Peter: Ich kannte Bibi & Tina, weil meine Schwester, die 7 Jahre jünger ist als ich, die Kassetten zum einschlafen gehört hat. Ich hatte damals ein Durchgangszimmer zu ihrem Kinderzimmer, was wirklich schwierig ist, wenn man sieben Jahre älter ist. Deshalb kannte ich das schon. Es kam auch genau in so einem richtigen Alter, wo wir einfach Lust hatten, nochmal etwas anderes zu machen. Die Anfrage kam über Detlev Buck, dem Regisseur von Bibi & Tina, den wir auch immer ganz toll fanden und finden.

Ich wollte immer Pippi Langstrumpf sein.

Ulf: Ich kannte Bibi & Tina nicht und dachte erst, das ist ein Witz. Ich bin davon ausgegangen, dass es ein Arbeitstitel von Detlev Buck ist. Ich hatte also überhaupt keine Ahnung. Es ging zunächst auch nur um 3 Titel. Das daraus ein Musical entstanden ist, entwickelte sich mit Detlev Buck gemeinsam erst im Laufe der Zeit. Ich kannte Bibi Blocksberg ein wenig, nur Bibi & Tina gar nicht. Allerdings sind wir jetzt wohl Experten auf dem Gebiet.

Bibi Blocksberg hat viele Charaktere in Ihrem Umfeld – mit welchem würdet ihr euch identifizieren?

Peter: Wir sind mehr Experten von den Sommerferien. Ich würde das gerne anders beantworten, das darf man gerne den Kindern und Jugendlichen überlassen. Der beziehungsweise die Heldin meiner Kindheit war Pippi Langstrumpf. Man hat das früher als Kind oder Jugendlicher auch immer nachgespielt und da wollte ich immer Pippi Langstrumpf sein.

Daniel, unser Mitproduzent, hingegen wollte immer Tommy sein. Ich hingegen fand Tommy und Annika immer etwas langweilig. Ich habe als Kind auch nie darüber nachgedacht, dass es ein Mädchen ist – das war mir völlig egal.

Die Kinder sollen einfach richtig Spaß haben und abrocken.

Ich wollte Pippi Langstrumpf sein, den Koffer voller Gold haben, das Pferd hochheben können und mit einem Affen zusammenleben. Ich habe sogar von Pippi Langstrumpf geträumt.

Deshalb freue ich mich wahnsinnig, wenn mir Mütter erzählen, dass ihre Kinder Bibi & Tina nachspielen und dann unsere Songs singen, da ich genau weiß, wie das für mich damals war.

Ulf: Für Kinder ist es, und so war es auch für mich damals so, die erste große Liebe. Natürlich auch zu Pippi Langstrumpf. Diese behält man sein ganzes Leben lang im Kopf. Umso stolzer macht es mich, zu wissen, das man Teil davon ist.

Bibi benutzt ihre nicht ganz ausgereiften Hexenkräfte, um anderen Leuten einen Streich zu spielen. Gibt es jemanden, bei dem ihr das gerne machen würdet?

Peter & Ulf: Na Frauke Petry kann sich schon mal warm anziehen (lachen).

Die Tour startet ab dem 26.12.2016  -  mit welchem Gefühl sollen die Kleinen und Großen nach der Show dann nach Hause gehen?

Peter: Ich habe für ein Jahr in England gewohnt und England ist nun wirklich das Ur-Land der Pop-Musik. Die inhalieren das wirklich auch so richtig. Das gelingt uns nicht richtig. Als One-Direction damals anfingen, war das eine richtige Kinder-Band und da sind nur Kinder hingegangen. So ein Event für Kinder gibt es hier in Deutschland gar nicht. Das Kind wird höchstens irgendwo mal mit hingenommen zum Pop-Konzert, aber ein reines Pop-Konzert für Kinder gibt es so gar nicht.

Wir machen natürlich ein Musical mit einer richtigen Story, aber der Schwerpunkt sind die Songs. Wenn die Kinder dann so richtig abgehen und sagen, es war das geilste Konzert, welches ich je gesehen habe, obwohl es vielleicht das erste war, dass wäre unser Traum-Ziel.  Das sie einfach richtig Spaß haben und abrocken.

Ulf: Dreh- und Angelpunkt sind 18 Lieder und darum geht es eigentlich. Es geht auch um Musik (das Abenteuer von Bibi & Tina) und so geschrieben, dass es nur auf einer Bühne funktionieren kann.

Die Kinder dürfen dann doch sicherlich mitmachen? Es gibt ja genügend Veranstaltungen, wo die Kinder still in ihrem Sitz bleiben sollen.

Ulf und Peter: Im Gegenteil. Die Kinder wird es hoffentlich von den Sitzen reißen, machen mit und sollen Teil der Show sein.

Musik spielt in euer beider Leben eine große Rolle – welche Musik bevorzugt ihr denn lieber privat?

Ulf: Sehr, sehr viel. So wie Pippi Langstrumpf seit Kindesbeinen an ein Teil ist, so ist Abba meine heimliche Lieblingsband, auch wenn ich sie nicht mehr so oft höre. Das war die erste Musik die ich gehört habe und mit der ich aufgewachsen bin. Nena und Kate Bush waren auch ein großer Bestandteil – diese Musik habe ich inhaliert. Damit bin ich zu Schuldisko gegangen und dazu habe ich getanzt.

Jetzt ist es wirklich quer Beet.  Charts sowie Indie-Musik – je nach Stimmungslage.  Deshalb sind die ganzen Musikstreaming-Dienste, wie Spotify oder Apple Music so toll, da man da ganz schnell umschalten kann.

Heute wird mehr Musik konsumiert, aber nicht mehr, wie früher, zelebriert.

Peter: Ich schließe mich dem vollkommen an. Meine Helden waren Abba, Eurythmics und deutschsprachig zu einer gewissen Zeit Nena. Ich habe das Glück, so alt zu sein, dass ich die Neue Deutsche Welle richtig miterleben konnte. Da kam gefühlt jede Woche etwas Neues heraus. Das war echt toll. Ideal und Annette Humpe zum Beispiel. Es waren auch immer andere Texte. Das gab es bis dato gar nicht.

Jetzt genieße ich es mehr, dass nicht mehr der Star sondern vielmehr der Song zählt. Dank der Musikstreaming-Dienste kann ich mich Freitag Abends auf dem Stepper durch 100 verschieden Songs zappen und höre mir die an, die mir gefallen. Als Komponist finde ich das toll. Man merkt allerdings auch, dass man dadurch etwas oberflächlich werden kann. Zum Beispiel haben mir die ersten beiden Songs von dem neuen Lady Gaga Album nicht zugesagt, erst ab dem 3 Song fand ich es gut und bewundere sie jetzt dafür, wie mutig sie ist und was das für ein tolles Album ist.

Ulf: Noch kurz anschließend. Natürlich mag ich das auch, allerdings vermisse ich die Zeit der großen Stars. Heutzutage ist man nicht mehr wirklich Fan von einem großen Künstler beziehungsweise ist die Aufmerksamkeitsspanne sehr kurz. Früher waren wir Hardcore-Fans und haben 1 bis 2 Jahre auf das neue Album gefiebert.

Peter: Ein Grund dafür ist, dass Popmusik von Geheimnissen lebt. Wir haben aber keine Geheimnisse mehr. Wir haben Instagram, Snapchat und Facebook. Man muss jeden Tag mind. 2 Mal posten um im Gespräch zu bleiben. Wie soll man da noch ein Geheimnis haben? Aber das sollte in einem anderen Interview besprochen werden.

Ulf: Das Zeitalter der großen Popkünstler ist tot. Popmusik ist natürlich nicht tot. Es wird allerdings mehr Musik konsumiert, aber nicht mehr, wie früher, zelebriert.

Kauft ihr euch dann noch Alben?

Peter: Ich möchte keine Werbung dafür machen, aber ich benutze zur Zeit wirklich Spotify und Apple Music. Ich kaufe mir gar keine Alben mehr.

Es gibt immer einen bestimmten Künstler, von dem würde sich immer das Album holen.

Peter: Wenn Abba sich wieder vereinigt, dann würde ich mir tatsächlich das Album kaufen.

Ulf: Das letzte Album, welches ich mir sogar auf Vinly geholt habe, war das Album „21“ von Adele.

Peter: Das Album habe ich auch rauf und runter gehört. Da haben mich aber die sozialen Kanäle und dergleichen überhaupt nicht interessiert. Dann war ich auch auf dem Konzert und das war wirklich sehr gut, auf der Bühne ist sie wirklich überragend. Nur der Gossip dazu interessiert mich nicht. Ulf liebt das. Er muss alles wissen. Ulf ist sozusagen mein Facebook.

Was war denn das letzte Konzert, bei dem ihr wart?

Peter: Das letzte große Konzert war tatsächlich Adele. Das hat mich umgehauen. Mir ist natürlich bewusst, dass es trotz alledem eine teure Show war, aber wie schön es ist, dass sie uns beweist, das es anders gehen kann. Es ging halt nur um Musik. Man konnte lachen und weinen.

Ulf: Ich fand, dass das Konzert eher wie aus einer anderen Zeit wirkte. So wie ein Konzert von Barbara Streisand, nur mit einer ganz jungen Barbara Streisand. Ich fand das großartig.

Im Januar habt ihr mit Bibi & Tina dann die Abschlussshow. Was macht ihr nach Bibi & Tina?

Peter: Klingt so ähnlich: Romeo & Julia. Das ist seit Jahren unser Projekt und großer Traum. Wir durften davon die erste Aufführung schon in Kiel machen mit dem wunderbaren Theater dort, als kleines Projekt.

Ich finde es aber noch schöner zu sagen, was auf der Bühne geschehen soll, als selber da zu stehen.

Jetzt versuchen wir das als größeres Projekt aufzuziehen.

Wir schreiben neue Songs dafür, wir überarbeiten das Buch und hoffen damit auf Tournee zu gehen.

Nicht so wie Bibi & Tina, sondern in kleineren Hallen.

Peter, wie fühlt es sich an, nicht mehr der Kopf zur Musik sondern hinter der Musik zu sein?

Peter: Das fühlt sich super an, sehr befreiend. Es ist wirklich entspannend. Es war etwas komisch dahin zu gelangen. Ich bin und bleibe natürlich ein „Frontschwein“. Ich liebe es Interviews zu geben und Verantwortung zu tragen. Ich finde es aber noch schöner zu sagen, was auf der Bühne geschehen soll, als selber da zu stehen.

Ulf: Hinter der Bühne ist auch auf der Bühne. Das sehen die meisten Menschen nicht so.

Peter: Genau, das ganze Leben ist eine Bühne.  (lacht)

Wenn ihr die Wahl hättet, erneut von vorne anzufangen, würdet ihr das Leben genauso leben und den gleichen Weg gehen?

Ulf: Da ich es schon einmal gemacht habe, würde ich es gerne etwas ganz anderes machen, einfach aus Neugierde. Aber  wir hatten verdammtes Glück gehabt. Wir konnten ganz langsam anfangen und es stetig nach oben ging. Wiederholen finde ich blöd – aber es war großartig.

Was wäre, wenn wir, zum Beispiel, beide in Paris angefangen hätten?

Peter: Da stimme ich Ulf vollkommen zu. Wir sagen uns das auch ganz oft abends, wie einst die Waltons. Wir kommen beide aus kleinen Gemeinden beziehungsweise Städten und dann darf man hier in Berlin sitzen und so fantastische Sachen machen.

Rosenstolz, Bibi & Tina, Sarah Connor – das kann man manchmal gar nicht glauben. Das ist toll. Man hat zwar so viele Fehler gemacht, aber die gehören auch dazu. Ansosnten sehe ich das wie Ulf. Nur aus Neugierde etwas anderes machen. Aber schon wir beide zusammen.

Ulf: Was wäre, wenn wir, zum Beispiel, beide in Paris angefangen hätten? Solche Gedanken habe ich dann doch manchmal. Oder in England? Oder in Polen?

Apropos Sarah Connor – wie kam es eigentlich dazu? Genauso wie die Zusammenarbeit mit Helene Fischer?

Peter: Bei Helene haben wir 2 Texte geschrieben. Da hatten wir allerdings mit der Musik gar nichts zu tun gehabt. Helene hatte ich beim Echo kennengelernt. Am meisten hat mich bei der Zusammenarbeit beeindruckt, dass sie einen klaren Eindruck hat von sich selbst und was sie will.

Manchmal ist es sehr befreiend, wenn es keinen Druck oder Erfolg vorher gab.

Anders war das bei der Sarah. Da waren wir 3 Tage verabredet und haben gemeinsam getextet und gemeinsam die Lieder geschrieben. Aus diesen 3 Tagen wurden dann irgendwann 8 Monate. Das war ganz spontan, ohne Plan und wir hatten zusammen Spaß. Wir haben uns am Ende der jeweiligen Woche immer wieder für die nächste verabredet. Gleichzeitig haben wir auch noch Bibi & Tina gemacht.

Ulf: Bei Sarah gab es auch keine Vorgaben. Wir haben wirklich von Null angefangen und es gab auch keine Vision. Wir haben einfach nur Lieder gemacht und Themen behandelt, die uns auf der Seele brannten. Das war großartig. Man hatte keine Kommerz-Schiene im Kopf. Manchmal ist es sehr befreiend, wenn es keinen Druck oder Erfolg vorher gab.

Peter: Sarah hat sich über die 8 Monate hinweg die deutschsprachigen Songs spielerisch erarbeitet. Ich glaube, sie war am meisten überrascht als das Album fertig war – in Deutsch.

Musik ist in eurem Leben sehr einnehmend – habt ihr denn irgendetwas abseits der Musik was ihr absolut gerne macht? So etwas wie ein Hobby?

Peter: Ich habe jetzt eine wunderbare Terrasse. Das ist das einzige Hobby, bei dem ich mal relaxen kann. Sonst habe ich keine Hobbys. Aber meine Terrasse zu machen, das liebe ich.

Ulf: Bei mir ist es Lesen. Ich lese wirklich wie eine Ratte. Dazu kommt dann noch Netflix (lacht). Ich kann am besten Faul sein beim lesen, das ist für mich die größte Entspannung überhaupt. Das letzte gute Buch, welches ich gelesen habe ist „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrantes. Ein weiteres Hobby, welches auch beruflich von Vorteil ist, sich Shows anzugucken.

Peter: Da hast Du Recht. Ich mache das nur zu selten. Ich war vor kurzem in der Bar jeder Vernunft und habe mir Idil Baydar angesehen und wirklich sehr viel gelacht. Das sollte man viel Öfter machen.

Information

Tickets und weitere Informationen zur "Bibi & Tina - Die Große Show" erhalten Sie auf www.bibiundtina-show.de/