Mein Mann und ich rangen mit uns: Sollen wir unserem Sohn seinen sehnlichsten Wunsch erfüllen? Keine leichte Frage. Kinder entwickeln sich in einer rasanten Geschwindigkeit, und für Eltern ist es nicht immer leicht, in diesem Tempo mitzuhalten und mit ihren Kindern mitzuwachsen. Ein Erfahrungsbericht von einem Traum eines kleinen und doch schon so großen Jungen.

„Wann darf ich endlich selbst fahren?“

Wenn sich Eltern regelmäßig aufs Motorrad schwingen, haben es die Kinder meist schnell satt, ihnen bei der Abfahrt hinterherwinken zu müssen oder nur auf dem Sozius mitfahren zu dürfen: Sie wollen selbst fahren. So war es auch bei uns. Mein Mann und ich sind seit Jahr und Tag auf motorisierten Zweirädern unterwegs. Bereits seit seinem fünften Geburtstag durfte unser Sohn auf einem speziellen Kindersitz für Zweiräder, der sich auf dem Heck der Maschine befestigen lässt, mitfahren. Es dauerte nicht lange, bis er den Wunsch äußerte, auch mal selbst fahren zu wollen. Und Kinder können ja so hartnäckig sein. Haben die Kleinen einen Herzenswunsch, versuchen sie diesen meist mit Nachdruck zu verwirklichen. Da wird getrotzt, gebettelt und gequengelt, was das Zeug hält. Geht es um einen Bauernhofbesuch oder ein neues Fahrrad, lässt sich leicht ein Kompromiss finden, um den Familienfrieden zu wahren. Schwieriger wird es, wenn Mütter und Väter mit der Frage konfrontiert werden: „Wann darf ich denn endlich selbst Motorrad fahren?“ Dann geraten Eltern in ein echtes Dilemma – so auch wir.

Und was machen Eltern im Google-Zeitalter? Sie beginnen, im Internet nach Antworten auf ihre Fragen zu suchen. Oft saßen mein Mann und ich abends vor dem Laptop, recherchierten und diskutierten. Unsere Hoffnung war zugegebenermaßen auch, dass unser Sohn das Interesse verlieren könnte, wie es bei Kindern ja häufiger mal der Fall ist. Da hatten wir uns jedoch getäuscht. Unser Sohn war mittlerweile sieben Jahre alt und sein Faible für motorisierte Zweiräder stieg beinahe ins Unermessliche. Das ging so weit, dass beinahe kein Tag verging, an dem nicht über ein Kindermotorrad oder sein großes Vorbild Kevin Funk gesprochen wurde.

Durch Zufall kam mein Mann mit einem Geschäftspartner ins Gespräch, dessen Kinder auch Motorrad fahren, doch nicht Motocross, sondern Trial. Er erzählte, dass dies das beste Training für kleine und große Motorradfans darstellt. Wir hatten vorher zwar schon von Trial gehört, doch uns nicht weiter damit beschäftigt. Das taten wir dann.

Trial: DIE Grundschule des Motorradfahrens

Alle Fahrtechnikexperten sind sich einig: Trial ist DIE Grundschule des Motorradfahrens. Trial bedeutet ausprobieren und beweisen, dass man es kann. Man lernt bei niedriger Geschwindigkeit die wesentlichen (Körper-)Reaktionen beziehungsweise Körperbefehle, mit denen ein Motorrad gelenkt wird. Ziel des Trials ist es, das Motorrad so gut zu beherrschen, dass man einen eng gesteckten Hindernisparcours durchfahren kann, ohne sich mit den Füßen am Boden abzustützen. Gleichgewichtssinn, Geschicklichkeit, schnelles Reaktionsvermögen, Konzentration, Mut, Entschlossenheit und Körperbeherrschung sind gefordert. All diese Punkte überzeugten uns, da sie nicht nur auf der Rennstrecke wichtig waren, sondern auch im Alltag weiterhelfen. Denn was gibt es Besseres, als den Konzentrationssinn eines Schulkindes zu fördern und es gleichzeitig glücklich zu machen?

Hinzu kommt ein physikalischer Aspekt, der einen weiteren Pluspunkt des Trials darstellt: Man wird niemals so schnell, dass die rotierenden Räder eine ausreichend große, stabilisierende Kreiselkraft aufbauen könnten. Heißt: Beim Trial muss der Fahrer durch schnelle Reaktion den Schwerpunkt seines eigenen Körpers rechtzeitig um Millimeter verlagern, um nicht zu stürzen. Hingegen hat man bei Motocross vergleichsweise sehr hohe stabilisierende Kreiselkräfte und kann daher viel „schlampiger“ fahren, weil die stabilisierenden Kreiselkräfte viele kleine bis mittlere Fehler ausgleichen. Macht man einen schweren Fehler, den die stabilisierende Kreiselkraft nicht mehr kaschieren kann, so stürzt man unweigerlich; dagegen hat man beim Trial selbst bei schweren Fehlern meistens den Fuß noch rechtzeitig am Boden und stürzt nicht. Trial ist sowohl für Anfänger als auch für fortgeschrittene Fahrer das perfekte Training.

Und auch Kevin Funk, der berühmte Motorradstuntfahrer und Vorbild meines Sohnes, kommt aus dem Triallager. Bei allen großen Shows bindet er Trialelemente mit ein. Besser könnte es also nicht sein, doch noch ein Punkt spricht für den Sport auf zwei Rädern: Trial ist der familienfreundlichste Motorradsport, denn man macht beim Training viele Pausen, während derer man anderen Fahrern zuschaut und deren Technik analysiert.

Wir haben uns entschieden: Unser Sohn bekommt ein Motorrad. Doch nicht irgendeines. Es wird ein Elektro-Trial, eine OSET, sein. Also ein Kindermotorrad vom Weltmarktführer. Hier die Gründe:

Vorteile des E-Motors für Kindermotorräder:

  • kein Lärm
  • keine Abgase
  • keine Verbrennungsgefahr an heißen Bauteilen
  • kleine, kompakte Antriebseinheit
  • wartungsarm, minimaler Wartungsaufwand wie bei einem Fahrrad
  • Maximale Geschwindigkeit, Kraft und Ansprechverhalten lassen sich stufenlos einstellen – auf das jeweilige Fahrkönnen des Kindes
  • kleine Baugröße = bereits für Kinder ab dem Laufradalter (> 2,5 Jahre)
  • geringeres Gewicht = leichteres Handling
  • Kinder stellen ein E-Trial nach einem Umfaller ohne Fremdhilfe wieder auf
  • kein Absterben des Motors, kein endloses Ankicken, kein Zündkerzen-, Vergaserputzen, kein Ölwechsel – einschalten und losfahren
  • Akzeptanz auch außerhalb des Motorsportlagers
  • E-Trial kann am Fahrradträger der Anhängekupplung oder im Kofferraum transportiert werden, es rinnt nichts aus, es stinkt nichts

So fuhren mein Mann und ich Anfang dieses Jahres zu einem Händler und ließen uns beraten. Die wichtigsten OSET-Features:

  • mit einem Handgriff stufenlos für jedes Fahrkönnen regulierbar:
    • Geschwindigkeit
    • Motorleistung
    • Gasannahme
  • Dank der Drehknöpfe sind Geschwindigkeit, Leistung und Ansprechverhalten einfach mit einem Griff zu verstellen, zudem ist die aktuelle Einstellung auf einen Blick erkennbar
  • neueste Akkugeneration, mit der je nach Modell Fahrten von zwei, drei und mehr Stunden möglich sind

Wir entschieden uns schließlich für eine OSET 20 Racing. „Die Profi-OSET für Kinder ab acht Jahren. Aluminiumschwinge für weniger Gewicht, breiter Hinterreifen für mehr Traktion, Competition-Kettenrad – für dieses Bike ist kein Hindernis zu hoch“, wie der nette und sehr kompetente Händler uns erklärte – hört sich gut an. Zudem kauften wir noch einen Moto-Trial-Helm, Trialstiefel, Handschuhe, die passende Bekleidung sowie Knie-, Ellenbogen- und Brustschutz. Auch wenn der Händler uns erklärte, dass ein herkömmlicher Fahrradhelm, knöchelhohe Schuhe und Inlineskate-Schützer für den Anfang ausreichen würden, entschieden wir uns für die Komplettausrüstungsvariante – sicher ist sicher.

Der Tag, an dem unser Sohn ein Motorrad bekam

Am 6. April war ein lang ersehnter Tag endlich da. Unser Sohn hatte Geburtstag und sein seit Jahren größter Traum würde in Erfüllung gehen. „Zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag alles Gute, zum Geburtstag viel Glück.“ Nachdem er die acht Kerzen auf der Geburtstagstorte ausgeblasen hatte, begann er, die Geschenke auszupacken. Zuerst die Handschuhe, dann die Kleidung, die Schuhe und schließlich den Helm. Seine Augen wurden immer größer. Er schaute uns an. „Wirklich?“ Wir öffneten die Terrassentür und da stand sie, die OSET, sein erstes eigenes Motorrad. Er schrie laut auf, rannte noch im Schlafanzug raus, blieb vor der OSET stehen und starrte sie an, als könnte er nicht glauben, was er da sah.

Schließlich drehte er sich um, rannte auf meinen Mann und mich zu und umarmte uns stürmisch. Noch nie zuvor hatte ich seine Augen so leuchten sehen, er strahlte übers ganze Gesicht. Ich bekam eine Gänsehaut, so sehr rührte mich dieser Moment. Meinem Mann ging es nicht anders. Sekunden später saß er auf der OSET und düste durch den Garten. Natürlich hatten wir das Motorrad auf eine sehr geringe Geschwindigkeit eingestellt, und so konnte er sich langsam an das neue Gefühl gewöhnen. Dieses Leuchten in den Augen – mehr Glück können Eltern nicht empfinden, glauben Sie mir.

Über Stock und Stein – ab in den Wald

Nachdem die ersten Fahrversuche unfallfrei geschafft waren, wollte unser Sohn in den Wald. Schutzmontur an, Helm auf und los ging es. Wir haben das Glück, dass wir direkt am Waldrand wohnen. Anfänglich fuhr er noch sehr vorsichtig, aber schon nach einer Stunde wurden Hügel erklommen, kleine Hindernisse überfahren und weiter ging es querfeldein, über Stock und Stein. Wieder zu Hause angekommen, wollte unser Sohn seine ersten Trialparcours ausprobieren. Improvisieren war angesagt.

Wir bauten aus alten Brettern zwei Rampen, errichteten einen Slalom aus Blumentöpfen und legten größere Holzscheite aus dem Kamin als Hindernisse in den Weg. Unser Sohn hatte so viel Spaß dabei, dass er gar nicht mehr aufhören wollte. Immer wieder sagte er uns, wie glücklich er sei, und bedankte sich dafür, dass wir seinen größten Wunsch erfüllt haben. Es sei sein schönster Geburtstag gewesen, sagte er.

An diesem Abend war es nicht sein Lieblingskuscheltier, was neben ihm im Bett lag, sondern sein Helm.

Das erste Training auf der Trialstrecke

Jeden Tag nach der Schule setzte sich unser Sohn sofort auf seine OSET und fuhr mindestens eine Stunde im Wald oder auf unserem improvisierten Parcours, bevor er sich an die Hausaufgaben machte. Ich muss zugeben, dass ich anfangs nicht begeistert war, weil ich wollte, dass er zuerst die Schulaufgaben erledigt. Doch bereits am zweiten Tag war ich Fan von dem Fahrtraining nach der Schule, denn nie zuvor war er so ausgeglichen und konzentriert bei der Sache wie jetzt.

Eine Woche nach seinem Geburtstag stand das erste Training auf einer „richtigen“ Trialstrecke auf dem Plan. An einem eher nasskalten Morgen machten wir uns auf nach Groß Glienicke bei Berlin zur Trialschule. Die Aufregung unseres Sohnes war nur durch sein ungewöhnliches Schweigen während der Autofahrt und das Verweigern fester Nahrung am Morgen zu erkennen. Ich selbst war zugegebenermaßen auch etwas nervös, weil ich nicht wusste, was uns erwarten würde. Ein Schnuppertraining wird von OSET empfohlen, und da mein Sohn sich zudem wünscht, zu fahren wie sein Held, stand für uns bereits beim Kauf fest, dass wir dies machen würden.

Nach einer Begrüßung aller Teilnehmer – es waren noch ein elfjähriger Junge und ein zehnjähriges Mädchen gekommen – ging es auch schon los. Der Trainer erklärte kindgerecht den weiteren Ablauf und führte die Bande an die bereitstehenden OSETs. Wir hatten unsere dabei, die anderen beiden bekamen Leihbikes – eine OSET 24R und eine 20 Lite. Ein paar Trockenübungen später ging es dann direkt ans Eingemachte. Ein Slalom um bereitgestellte Kegel sollte absolviert werden. Die Herausforderung bestand darin, bei geringem Tempo alles im Stehen – wie beim Trial üblich – zu absolvieren und das Gewicht so zu verlagern, dass die OSET sich samt Fahrer in die Kurven legt und man den Fuß nicht abstellen muss. Nach einigen Runden hatte es jedes Kind verstanden, und eine Runde nach der anderen wurde gefahren. Dann holte der Trainer eine große Wippe. Erst traute sich unser Sohn, und der Stolz war ihm ins Gesicht geschrieben, als er das Hindernis problemlos überfuhr. Mit ein bisschen Überzeugungsarbeit trauten sich auch die anderen beiden. Die Kinder hatten ihren Spaß und jauchzten vor Vergnügen, als die Wippe kippte.

Nach 90 Minuten gab es eine kleine Pause. Die Kinder verstanden sich super und erkundeten den Trialparcours, der aus großen Baumstämmen, Baurohren und anderen riesigen Hindernissen bestand – ein Kletterparadies für Kinder.

Danach wurde der Schwierigkeitsgrad erhöht. Es hieß: ab ins Gelände. Der Trainer ging mit den Kindern die Strecke ab und erklärte, wann sie bremsen müssen, wo sie Gas geben müssen und welche Herausforderungen auf sie warteten. Dann machte er es einmal vor. Mit dem nötigen Respekt stiegen die Kids auf ihre Maschinen, und hintereinander herfahrend probierten sie sich an der Strecke. Mein Mann und ich mussten ganz schön schlucken, weil das doch schon eine sehr herausfordernde Strecke mit vielen kleinen Hindernissen war. Aber jedes der Kinder schaffte es unter der Anleitung des Trainers spätestens beim vierten Versuch, die Strecke, ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen und ohne stehen zu bleiben, abzufahren. Von Versuch zu Versuch hatten die Kinder mehr Spaß und probierten neue Hindernisse aus. Ihr Lachen war über den ganzen Trialpark zu hören.

Und dann … ist das Training auch schon vorbei. Die OSETs werden abgestellt und die Helme von den grinsenden Gesichtern gezogen. Trainer Arno bespricht mit allen anwesenden Eltern noch, wie es denn weitergehen könnte, falls die Jungs und das Mädchen Gefallen am Trialsport gefunden haben. Und das hatten alle drei. Wir würden uns alle auf der Trialstrecke wiedersehen ­– da waren sich alle Beteiligten sicher.

Auf der Heimfahrt grinste unser Sohn versonnen vor sich hin. Es war ein mehr als gelungener Tag, und seitdem fragt unser Sohn mindestens einmal am Tag, wann wir wieder „trialen“ fahren. Bald, ganz bald – da sind wir sicher.