Im Interview spricht er über Familienleben und Zukunftspläne.

Was fällt Ihnen spontan zum Thema Familienleben ein?

Im Allgemeinen würde ich zu Familie sagen, dass sie die Keimzelle der Gesellschaft ist. Ohne gesunde und stabile Familienbeziehungen wird die Basis für soziales Leben – Dinge wie Vertrauen, Verlässlichkeit und Loyalität – immer schwächer. Familie ist der Ort, wo menschliches Leben zustande kommt, und im Idealfall ist es auch dort, wo man zuerst geliebt wird und auch lernt zu lieben. Meine persönliche Erfahrung von Familienleben war ein echtes Abenteuer.

Was hat das Familienleben der Kelly Family geprägt und wie kann man sich das Leben, den Alltag in einer so großen Familie vorstellen?

Mein Vater wollte ein Leben in Freiheit leben und Menschen Gutes tun, ihnen Hoffnung bringen. Meine Mutter war Balletttänzerin, spielte Klavier und liebte es, von vielen Kindern umgeben zu sein. Sie haben ihre Ideale zusammengebracht und uns Kindern ein sehr alternatives Leben geschenkt.

Wir bereisten die Welt im Doppeldeckerbus, später war das Hausboot unser Zuhause und dann kam sogar ein Schloss. Ich bin in einem Campingwagen geboren und mit Anfang zwanzig konnte ich sagen, "My castle is my home", anstatt "My home is my castle" (lacht). Wir haben als Strassenmusiker angefangen und in den 90igern füllten wir Fussballstadien.

Der Alltag war je nachdem, ob man auf Reisen war, im Tonstudio oder länger an einem Ort blieb, sehr unterschiedlich. Teilweise waren die Tage sehr streng strukturiert, aber dann gab es auch spontane und chaotische Zeiten.

Es war nie langweilig und manchmal stressig – ein echtes Abenteuer.

Bitte erzählen Sie uns vom lustigsten Moment mit der Kelly Family.

Da gab es viele, aber 2001 oder 2002, ich weiß es nicht mehr genau, hab ich mir die langen Haare abgeschnitten, ohne meinen Geschwistern vorher davon zu erzählen. Ich ging dann mit einer Videokamera in der Hand alle einzeln besuchen, um die Reaktionen auf die kurzen Haare in ihren Gesichtern im Film festzuhalten. Da war von Tränen, Fassungslosigkeit bis zum krampfhaften Lach-Flash alles dabei. Das war ziemlich lustig.

…und vom traurigsten.

Der frühe Verlust unserer Mutter war für alle sehr schwer und traurig.

Was würden Sie in jedem Fall anders machen, als Ihre Eltern?

Ich würde mich für ein dauerhaftes Zuhause entscheiden, und von dieser Art "Camp Base" aus trotzdem die Welt bereisen.

Legen Sie andere Maßstäbe an, wenn Sie Songs für sich selbst und nicht mehr für die Kelly Family schreiben? Sind Sie vielleicht kritischer?

Das kann man so nicht sagen. Ich möchte einfach Musik machen, die nicht bei der Unterhaltung stehen bleibt, sondern möchte bei anderen einen Nerv treffen oder ein Herz rühren. Wenn ich es als Musiker schaffe nicht nur abzulenken oder leichte Kost zu servieren – natürlich gehören Spaß und Party auch zum Leben – sondern in die Tiefe zu gehen, dann macht mich das sehr zufrieden.

Was sagen Ihre Geschwister zum neuen Album?

Sie gehören zu den ersten, denen ich neue Songs vorspiele, oft schon in der Rohfassung. Maite war begeistert. Und Jimmy hat mich auf Facebook geliket und hat dann so etwas gesagt wie: „Nicht ganz so gut wie meine Musik, aber ich höre es mir an.“ Aus seinem Mund ist das ein Riesenkompliment! (lacht)

Wie gehen Sie heute mit der Vergangenheit als Teenie-Schwarm um?

Gelassener. Damals war ich Kind und Teenager. Es war nicht einfach, so im Rampenlicht zu stehen. Die Hysterie, die ich damals erlebte, war mir unverständlich. Zum Glück war ich damals nicht alleine sondern hatte meine Familie. Teenies, die ganz allein im Showgeschäft stehen wie zum Beispiel Justin Bieber, haben es sicher schwerer. Heute  überwiegen bei mir allerdings die positiven Erinnerungen. Ich hab sehr viel Gutes erfahren dürfen und dafür bin ich sehr dankbar.

Einige Ihrer Geschwister wie zum Beispiel Kathy und Patricia haben in letzter Zeit gemeinsame Konzerte gegeben. Wäre es denkbar, dass die Kellys eines Tages wieder zusammen auf der Bühne stehen?

Die Eagles haben auf die Frage einer Wiedervereinigung mal gesagt: „When hell freezes over!“ Soweit muss es bei uns nicht kommen. Vielleicht kommt der Tag – ich kann es nicht versprechen – wo man es schafft, just for fun alle mal wieder zusammenzukriegen.

Gibt es Dinge, die Sie heute nicht mehr tun würden?

Ich genieße heute die große Freiheit, selbst zu entscheiden, was ich mache und was nicht. Ich bin kein großer Freund von roten Teppichen. Natürlich gibt es Ausnahmen, wie die Echo-Verleihung. Da gehe ich hin, um auch Freunden und Kollegen zu begegnen.

Die Kelly Family – von der Straße in die Stadien

In den 90er Jahren füllten sie Stadien mit Tausenden von Menschen und verkauften über 20 Millionen Platten. Mit Hits wie "An Angel", "Why Why Why" oder "Every Baby" stürmte die musikalische Familie weltweit die Charts.

Die Kelly Family setzte sich ausschließlich aus Mitgliedern der Großfamilie Kelly zusammen. Nachdem die Geschwister ab 1974 zunächst als Kelly Kids auftraten, reisten sie ab 1978 unter dem Namen The Kelly Family als komplette Familie durch die USA und Europa und traten als Straßenmusiker in Fußgängerzonen auf.

Mit „Who’ll Come with Me“ erlangte die Familienband 1980 ihren ersten Nummer 1 Hit in Belgien und den Niederlanden. Doch ihren musikalischen Durchbruch erlangten sie erst knapp 15 Jahre später mit dem Album „Over The Hump“, dass sich allein in Deutschland knapp drei Millionen Mal verkaufte und viermal mit Platin ausgezeichnet wurde.

Neben ihrer Musik – einer Mischung aus den Bereichen Folk, Pop und Pop-Rock- erregten sie Aufmerksamkeit durch ihr hippieähnliches Aussehen und ihren alternativen Lebensstil, der durch zahlreiche Reisen und Wohnortwechsel sowie durch atypische Wohnunterkünfte gekennzeichnet war. So lebte die Familie unter anderem in einem VW T1, in einem Doppeldeckerbus, auf einem Hausboot und auf Schloss Gymnich.

Von 1994 bis 2006 wurde die musikalische Familie mit 48 Gold- und Platin-Schallplatten ausgezeichnet. Die Kelly Family verkaufte rund 20 Millionen Tonträger, zwei Millionen Videos und DVDs und feierte Erfolge in ganz Europa, Brasilien, Südafrika und China. Nach dem Tod des Familienvaters löste sich die Band auf. Einige Mitglieder zogen sich komplette aus dem Showbusiness zurück, andere widmen sich Projekten in der Öffentlichkeit.