Meine Frau und ich wagten das gemeinsame Abenteuer aus vollem Herzen und begleiten seitdem unsere fünf Kinder durchs Leben. Natürlich heißt Familienleben nicht nur Freude und Leichtigkeit, es schließt Auseinandersetzung und Scheitern ein. Doch wie viele Familien meistern wir auch solche Momente und wachsen auf der Basis von Vertrauen, Zuneigung und Verlässlichkeit daran. In diese Herzensbildung unserer Kinder haben wir viel investiert: nicht Geld und Strenge, sondern schlichtweg unsere Zeit.

Ich halte die Währung Zeit in unseren Tagen für mindestens genauso wichtig wie Geld im Familienportemonnaie. Viele junge Menschen möchten eine Familie gründen, fürchten sich aber vor dem drohenden Karriereknick, der geforderten „Flexibilität“ und beruflicher Unsicherheit. Viel hat sich bewegt, seit ich zum ersten Mal Vater wurde.

Elternzeit und Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren gehören zu den Strukturen, die das Familienleben verlässlicher gestalten können. Viele junge Väter nehmen heute Elterngeldmonate, verbringen bewusst mehr Zeit mit ihren Kindern, als ihre eigenen Väter es taten, und beteiligen sich stärker am Alltag – trotz der Furcht, dass Kollegen unterdessen auf der Karriereleiter an ihnen vorbeiziehen. Das freut mich sehr.

Doch zugleich wächst der Druck, familiäre und berufliche Aufgaben gleichzeitig meistern zu müssen und dabei allen Beteiligten gerecht zu werden. Das gesellschaftliche Klima verlangt Schnelligkeit, Anpassung und Gleichmaß – kein Wunder, dass beim Thema Vereinbarkeit Politik und Arbeitgeber selten vom Kind aus denken. Eltern sollen rasch an den Arbeitsplatz zurück, der Nachwuchs wird wegorganisiert.

Doch Familie braucht Zeit und Wahlfreiheit! Eltern wissen am besten, welchen Rahmen sie und ihre Liebsten zum Leben brauchen. Das gilt nicht nur für das Betreuungsmodell der Kleinen, sondern auch für die Pflege der älteren Generation. Gegenseitige Verantwortung in der Familie endet eben nicht mit der Volljährigkeit, sondern dauert ein Leben lang!

Natürlich brauchen Familien auch Geld, um zu leben. Im Horizontalen Vergleich zeigt der Deutsche Familienverband Jahr für Jahr, wie sehr Steuern und Abgaben das Familienportemonnaie belasten. Doppelte Beiträge zu den Sozialversicherungen führen dazu, dass Familien mit mehreren Kindern an den finanziellen Abgrund geraten.

Eltern zahlen nämlich nicht nur finanziell ein – und zwar so, als hätten sie keine Kinder –, sie sorgen zusätzlich durch ihren generativen Beitrag überhaupt erst dafür, dass unser Sozialversicherungssystem bestehen kann. Familiengerechtigkeit sieht anders aus, stellte das Bundesverfassungsgericht schon 2001 klar.

Weil der Gesetzgeber bis heute versäumt hat, eine verfassungstreue Beitragsgestaltung umzusetzen, haben wir gemeinsam mit dem Familienbund der Katholiken die Kampagne „Wir jammern nicht, wir klagen!“ ins Leben gerufen. Es ist der „erste Elternaufstand der Geschichte“, wie Dr. Jürgen Borchert, hessischer Landesrichter a. D., die von ihm unterstützte Aktion nennt.

Sie mobilisiert bundesweit Eltern, bei ihrer Krankenkasse Widerspruch gegen die Beitragshöhe in der gesetzlichen Pflege-, Kranken- und Rentenversicherung einzulegen. Auf www.elternklagen.de finden Sie mehr Infos und Musterformulare. Bitte unterstützen Sie uns! Danke!