Herr Giersberg, Sie sind seit 1996 als Personal Trainer tätig und erstellen die passenden Fitnesskonzepte für Prominente wie Jana Ina Zarrella, Birgit Schrowange oder Frauke Ludowig. Alles viel beschäftigte Frauen mit Kindern. Haben berufstätige Mütter andere Anforderungen an ihren Trainingsplan mit Ihnen?

In erster Linie muss es effektiv sein, möglichst mit wenig Aufwand und schnell sichtbaren Ergebnissen. Angefangen bei einem straffen Po über einen definierten Bauch bis hin zu nicht mehr schwabbeligen Armen – die Wünsche sind von Kunde zu Kunde sehr unterschiedlich. Aber eines ist bei allen viel beschäftigten Menschen gleich: Sie haben keine Zeit, ständig zu trainieren oder alle Übungen hundertfach zu wiederholen.

Hier kommt der persönliche Trainer ins Spiel. Er gestaltet einen individuellen und zeitlich flexiblen Trainingsplan, um die Problemzonen anzugehen, der weder Über- noch Unterforderung enthält und sich optimal in den Alltag der Kunden einpflegt. Auch der Trainer muss hier flexibel bleiben können.

Wichtig ist, dass die Leistung von Training zu Training systematisch gesteigert wird.

Wie kann man sich ein Training bei Ihnen vorstellen?

Ich setze erfolgreich auf Kraftsport – auch gerade bei Frauen –, schwere Gewichte und wenige Wiederholungen. Der Vorteil ist hier, dass man durch die kurze, aber sehr intensive Belastungsdauer Kraft und Spannung in die Muskulatur bringt, ohne dass der Muskelquerschnitt sich enorm vergrößert. Wichtig ist, dass die Leistung von Training zu Training systematisch gesteigert wird.

Kommt es auch vor, dass die ganze Familie mit Ihnen trainiert?

Mehrere gleichzeitig zu trainieren, ist nicht so ideal, da der Fokus auf den Einzelnen verloren geht, und das macht das Personal Training schließlich aus. Es ist also nicht so, dass sich die ganze Familie im Wohnzimmer in eine Reihe stellt und wir dann gemeinsam Sport machen.

Aber es kommt auch vor, dass ich mit den Kindern meiner Kunden auf den Spielplatz gehe und dort ein bisschen hangele oder Ähnliches. Einigen habe ich auch das Schwimmen beigebracht. Viele der Kinder kennen mich von Anfang an – schon während der Schwangerschaft.

Inwiefern?

Ich biete auch individuelles Training für Schwangere an und begleite die Mütter dann nach der Geburt weiter, und so lernt man den Nachwuchs natürlich von Anfang an kennen, da die Babys beim Training dann schon dabei sind und friedlich im Kinderwagen schlummern, während Mama schwitzt.

Anhand welcher Kriterien erstellen Sie den passenden Trainingsplan für die Menschen, mit denen Sie zusammen trainieren?

Anfangs wird die Zielstellung definiert, dann beginne ich, meine Kunden zu beobachten, erkenne ihre Stärken und Schwächen und erstelle anhand dieser analysierten Punkte den individuellen Plan. Die Kunden kommen mit ganz unterschiedlichen Wünschen zu mir: abnehmen, Muskelaufbau, Definition beziehungsweise Körper straffen. Danach werden die Schwerpunkte bestimmt: Problemzonen, Trainingshäufigkeit, Ausrüstung, Alter und Geschlecht.

Danach das Leistungslevel: Fortschritte, möglicherweise Schwangerschaft, gesundheitliche Aspekte wie Rückenleiden et cetera. Von Training zu Training wird der Trainingsplan neu errechnet und passt sich dabei immer neu an. Hier ist es meine Aufgabe, die Kunden zu verstehen und sie so zu unterstützen, dass sie sich fit und gesund fühlen.

Wie verliert man beim Trainieren nicht den Spaß, gerade wenn es im Familienalltag oftmals stressig zugeht?

Man darf sich nicht über-, aber auch nicht unterfordern. Wenn ich hier beispielsweise an Terrabandtraining, Gymnastik oder Trampolinspringen denke, hat das für mich nichts mit Training zu tun, und da sind Menschen schnell unterfordert und verlieren den Spaß am Training. Gleichzeitig darf man es aber auch nicht übertreiben.

Wenn man sich vornimmt, viermal in der Woche Sport zu machen, es dann aber nur einmal schafft, ist man schnell demotiviert. Zudem sollten Fortschritte sichtbar sein – von Training zu Training! Das geht nur mit einem guten System. 08/15-Empfehlungen, wie sie leider häufig in Fitnessstudios ausgesprochen werden, à la drei Sätze zu zwölf bis 15 Wiederholungen, bringen nur wenig.

Bei Ihren Konzepten geht es zum großen Teil auch darum, dass Training und die passende ausgewogene Ernährung Hand in Hand gehen müssen. Gibt es hier klassische Fehler, die Trainingslaien machen?

Die Hauptfehler sind hier, kaum oder keine Kohlenhydrate zu essen, nach dem Training nichts essen, direkt nach dem Training einen Eiweißshake trinken, zu wenig essen, zu spät zu viel essen, abends Rohkost oder Salat essen, mittags Salat anstatt Reis oder Kartoffeln.

Was ist Ihr Ernährungstipp?

Kohlenhydrate sind wichtig, damit der Körper Kraft und Energie hat. Besonders morgens und mittags – abends kann man sie gern auch weglassen. Nach dem Training muss gegessen werden, damit sich die Muskeln entwickeln können. Eiweißshake erst nach den Kohlenhydraten, da die Energiespeicher des Körpers zuerst aufgefüllt werden müssen, bevor das Eiweiß kommt.

Nicht zu üppig nach 22 Uhr essen. Regelmäßig essen. Rohkost am Abend wird nicht verdaut und belastet durch die Gärungsprozesse die Leber. Mittags zu komplexen Kohlenhydraten greifen. Am besten sind hier Reis oder Kartoffeln. Mittags ist der Stoffwechsel so hoch, dass man diese problemlos verarbeitet.