Für die meisten Männer mit Kindern gibt es zwei Phasen, die nur sehr wenig miteinander zu tun haben: VOR und NACH der Geburt. Bis zur Niederkunft sind die Herren der Schöpfung insbesondere sich selbst verpflichtet, können reisen, ausschlafen, feiern und Müßiggang betreiben. Wenn’s mit der Freundin nicht mehr läuft, wird Schluss gemacht.

Nachdem sich die Streifen auf dem Schwangerschaftstest blau eingefärbt haben, beginnt die Mutation. Der werdende Papa startet mit dem Nestbau. Die aktuelle Wohn- und Lebenssituation wird überprüft und so angepasst, dass ein Kind darin Platz findet.

Aber das, was eine Geburt mit einem macht, das kann man sich einfach nicht vorstellen.

Das wirkt sich bei den Positionen Ausstattung, Klamotten, Möbel und vielleicht sogar einer neuen Wohnung und einem „vernünftigen“ Familienauto auch auf die Familienkasse aus. Und dann haben viele angehende Väter noch den frommen Wunsch, dass sich nach der Geburt die Welt nicht nur um das Baby dreht, sondern eigene Bedürfnisse und Aktivitäten immer noch eingeschränkt möglich bleiben.

Während sich auf die Geburt vorbereitet wird, gibt es etliche Ratschläge von Freunden, Verwandten oder auf Internetseiten, die nun fast täglich besucht werden. Aber das, was eine Geburt mit einem macht, das kann man sich einfach nicht vorstellen. Man(n) muss es erleben. Nur dann kann man verstehen, warum Kinder entgegen den Vorsätzen später doch im Ehebett mitschlafen dürfen, wie glücklich der Geruch des eigenen Kindes machen kann und warum eine Babytrage, trotz wenig attraktiver Optik, aufgrund der Nähe zum Kind dann doch auf dem Wunschzettel landet.

Der Spagat zwischen Job und Familie braucht reichlich Kraft.

Mit der Nabelschnur kappen die frischgebackenen Väter auch ihr bisheriges Leben. Und das ist genau richtig, denn durch ein Kind ändert sich vieles. Eigentlich alles. Sobald der neue Mitbewohner eingezogen ist, wird der Alltag bestimmt von unterbrochenen Nächten, Sorgen und Unsicherheit, knapper Familienkasse, sehr wenig Sex, keiner Zeit für Hobbys und Freunde und eingeschränkter Flexibilität.

Der Spagat zwischen Job und Familie braucht reichlich Kraft, und auch nicht jeder Kumpel hat Verständnis für die jetzt seltenen gemeinsamen Momente.

Und das alles soll aufgewogen werden mit einem kleinen Wesen, welches in der ersten Zeit nur futtert und schläft? Ja, genau. Allen Umständen zum Trotz weckt so ein kleiner Mensch Emotionen, die sich vorher nicht in den kühnsten Träumen erahnen lassen.

Es wäre doch schön, wenn Arbeitgeber, die Politik und nicht zuletzt die Gesellschaft selbst alles dafür tun, Familien zu unterstützen.

Viele Väter sind plötzlich nah am Wasser gebaut, haben massive Ängste rund ums Kind und wünschen sich möglichst viel gemeinsame Zeit. Einigen reicht es bereits, dem Sprössling beim Schlafen zuzuschauen. Andere intensivieren die Bindung erst nach etwa einem Jahr, wenn die Kleinen viel zurückgeben. Da findet jeder seinen Weg.

Ob Mann oder Frau: Die Veränderungen in der Beziehung, der beruflichen Situation und der Selbstverwirklichung sind für jeden, der den Schritt in die Elternschaft geht, schon heftig genug. Da wäre es doch schön, wenn Arbeitgeber, die Politik und nicht zuletzt die Gesellschaft selbst alles dafür tun, Familien zu unterstützen. Noch machen andere Länder das deutlich besser.

Aber wenn wir uns alle ab jetzt über jedes Kind freuen, welches das Licht der Welt erblickt, und erkennen, dass jedes geborene Kind die Grundlage für das Fortbestehen einer stabilen Gesellschaft und unsere Zukunft ist, dann geben wir vielleicht irgendwann die rote Laterne der Geburtenquote ab!