Interview mit „KOCHEN macht Schule“-Botschafterin und Köchin Maria Groß.

Welche gesellschaftlichen Probleme sehen Sie, wenn es um das Thema Kinderernährung geht?

Wie kann es sein, dass ein Schulessen durchschnittlich 1,90 Euro kostet und von dem Caterer nur gefordert wird … Sollte man nicht viel mehr danach fragen, wie es überhaupt möglich sein kann, mit solch einem Preis neben Transport- und Lohnkosten auch noch „wertvolle, organische“ Bestandteile in so einen „Billigfraß“ zu packen … Geredet wird ständig über dieses Thema. Nun ist es aber an der Zeit, endlich auch Taten sprechen zu lassen.

Wie führt man Kinder an eine gesunde Ernährung heran?

Indem man es ihnen vorlebt und den Kindern zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Attitüde, sondern eine zeitintensive und lebendige Lebenseinstellung ist, die sich auch ständig neu inszeniert.

Heißt: Willst du Wurst auf dein Brot? Töte ein Tier und verarbeite es zu Wurst. Willst du ein Brot, dann kaufe Mehl und Hefe, etwas Wasser und Salz. Bereite einen Teig, warte bis dieser Volumen hat und backe ihn …

Ich hoffe, Sie verstehen, was ich meine: Die Entfremdung zwischen Produkt und Endkonsument ist so groß, darauf sollte man zielen, Kinder an Lebensmittel heranführen. Was ist nötig und wie viel Arbeit steckt hinter einer einzelnen Zutat, um überhaupt ein solches Produkt herstellen zu können! Vielfalt und Neugierde im Umgang mit Essen sind für mich Multiplikatoren in der Diskussion um gutes Essen.

Wie sieht ein gesundes Pausenbrot aus?

Die Mischung macht’s: Abwechslung! Nicht nur die Brotsorte sollte variieren, natürlich auch das Topping. Wichtig ist es, organische Produkte auf das Brot zu legen und keine Chemie. Niemals Margarine! Gerne anstatt Butter auch mal Sauerrahm oder ein selbst gemachtes Ketchup. Hier mein Lieblingsbrot: Ricotta, Kirschtomaten, etwas Ahornsirup, frischer Pfeffer, Fleur de Sel. Nach Gusto gern noch ein paar Blättchen Minze und Koriander.

Sie sind Schirmherrin für „KOCHEN macht Schule“. Was hat es damit auf sich?

Ziel von KOCHEN macht Schule ist es, das Ernährungsverhalten bei Kindern und Jugendlichen durch Bildung zu fördern. Schnelllebigkeit und Hektik bestimmen unseren Alltag. Zeit ist ein kostbares Gut. Unsere Gesundheit ist es auch. Ein bewusstes, ausgewogenes Ernährungsverhalten, das unserem Geist und Körper guttut, rückt jedoch zunehmend in den Hintergrund.

Dieser Entwicklung möchte KOCHEN macht Schule entgegenwirken. Im Fokus steht dabei die junge Generation. Viele Kinder und Jugendliche beschäftigen sich nicht ausreichend mit Themen wie gesunder Ernährung, dem achtsamen Umgang mit Nahrungsmitteln sowie Koch- und Zubereitungstechniken.

Es zeigt sich die Tendenz einer passiv konsumierenden Lebenseinstellung. Ich kopple meine positive Energie gern an etwas, von dem ich überzeugt bin und was ich selbst zu schätzen weiß. Und wenn man Energie weitergeben kann, hat man doch schon einiges erreicht.

Kochen ist für mich spürbar gelebte Kreativität, ein Sich-Ausprobieren unter der Prämisse eines respektvollen Umgangs mit Rohstoffen. Als Schirmherrin von KOCHEN macht Schule möchte ich mithelfen, junge Menschen für Rohstoffe und den bewussten Umgang damit zu sensibilisieren.


Bitte geben Sie Eltern 4 Tipps, wie sie Ihre Kinder an gesundes Essen führen können.

  • Selbst wenn ein Kind sich für Bestimmtes nicht begeisterungsfähig zeigt, sollte man doch zunächst den Blick auf sich selber richten: Was trage ich dazu bei, dass mein Kind so viel herummäkelt? Und wenn es einmal z. bsp.  eine Walnuss nicht mochte- heisst dies zweifelsohne nicht: Es mag auf Lebenszeit keine Walnüsse. Vielleicht hat nur die Darbietung dieser Nuss nicht gefallen- hingegen in einer Käse-Nuss-Quiche verarbeitet, mag es das Kind…
  • Saisonal und regional kaufen- da hat man schon viel bewegt- ethisch wie praktisch.
  • Auf natürliche Lebensmittel zurückgreifen: Alles was industriell verarbeite wurde, ist je- nach Profitmaximierung des Unternehmens nicht mehr organisch: Eine Wiener Wurst vom Metzger nebenan hat definitiv weniger „komische Inhalte“ als eine aus der Grossindustrie (Lebensmittelkennzeichnung)…
  • Kochen Sie mit ihren Kindern- selbst die Kleinsten können schon im Kräutergarten an essbare Landschaften herangeführt werden…Selbst wenn Sie inhaltlich zum Gelingen des Essens noch nicht aktiv beitragen können (ausser zu Unterhaltung- vielleicht)